Der Umgang mit und das Verhältnis zur Macht

Warum sind wir so machtaffin? Nein, es ist kein Phänomen besonderer oder spezieller sozialer Schichten. Jeder Mensch ist davon mehr oder weniger ‚befallen’. Ich, du, Sie, Ihr – alle!! Einige stehen offen dazu. Die Mehrheit versteckt sich hinter äußeren Zwängen und Umständen warum sie Macht ausüben (müssen).

Macht und Machtverhalten erleben und beobachten wir täglich. Privat, beruflich, direkt im sozialen Umfeld und indirekt über die Medien. Als unangenehm empfinden wir Macht wenn diese so ausgeübt wird, dass wir in unserer Macht (=Freiheit zu handeln/agieren) eingeschränkt werden. Auch fühlen wir uns betroffen oder indirekt bedroht wenn die Machtausübung gegenüber Dritten uns unangemessen und übertrieben angewendet erscheint.

In Autokratien, Theokratien und Diktaturen ist unsere Meinungsfreiheit eher eingeschränkt oder gar gänzlich unterbunden. Das möchte ich an dieser Stelle nicht weiter diskutieren.

In Demokratien haben wir i.d.R. die Freiheit unsere Meinung/Betroffenheit zu/von unangemessener Machtausübung zu formulieren und zu zeigen. Die ‚neuen’ Medien machen es uns noch leichter unsere Meinung und unsere Bewertung zu bestimmten, uns bewegenden Vorgängen zu äussern und zu veröffentlichen. Und hier kommt wieder Macht ins Spiel. Eigenmotiviert und –initiiert genauso wie fremdinitiiert und –gesteuert. Wurde früher Meinungsbildung neben dem direkten Gespräch / Rede hauptsächlich über ‚alte’ Medien wie Radio/TV oder Presse betrieben, sind in den vergangen 10 Jahren dafür immer mehr die neuen Medien in den Fokus gerückt. Haben diese sich doch als höchst effizient gezeigt, wie an den vergangenen beiden Wahlen in den USA zu beobachten war.

In dem Wissen, soziale Netzwerke und öffentliche Foren der Medien sind Macht- und Kommunikationsfaktoren und, dass dort Meinungen gebündelt werden, üben diejenigen, die sich in den e-Medien bewegen und sich dort auch kommunizieren,  direkt Macht aus. Das ist jedem/r mehr oder weniger bewusst, je nach dem wie reflektiert oder aus dem Gefühl/Bauch heraus gehandelt wird.

Da uns die Anonymität in den neuen sozialen Netzwerken und Foren vor Restriktionen schützt, werden viele so richtig mutig. Nun wird es denen (die Mächtigen, Unbequemen, Unliebsamen …..) mal so richtig gezeigt. Auf Teufel komm raus. Hauptsache der Frust ist weg. Früher waren eher Stammtische das Ventil für Meinungsüberdrücke, mehr oder weniger profund und vulgär formuliert. Die Personen, die es betraf wurden nur sehr selten mit den Äusserungen direkt konfrontiert, da sie nicht vor Ort waren. Heute, jedoch, können sie ihren Blick oder ihr Ohr kaum davon abwenden – es ist zu offenbar, da die Vernetzung nahezu komplett ist und die Betroffenen gegenüber ihren Schmähern keine Anonymität geniessen. Mit teilweise sehr schwerwiegendem und nachhaltigem Effekt.

Würde der einzelne Basher mit seinem Diskussionsbeitrag und der Wirkung seines Tuns unmittelbar konfrontiert, würde er/sie am liebsten davon zurücktreten und die eigene Meinung vielleicht etwas anders, verträglicher, reflektierter formulieren. Aber das im Affekt Geschriebene steht auf immer und ewig im Netz und konfrontiert die betroffenen Personen immer wieder mit den herabsetzenden, verletzenden und polemischen Bewertungen!

Wie kann / könnte dem momentanen Zustand abgeholfen werden? Spontan ist sicherlich keine Abhilfe zu erwarten. Denn, ein Verbot der freien Meinungsäußerung – egal wo/wie formuliert –  würde unsere Gesellschaft in die Zeiten vor der Aufklärung zurück werfen und jeglichem Machtmissbrauch Tür und Tor öffnen. Zu ändern ist das nur, wenn wir, die wir uns in einem oder vielleicht auch mehreren Foren produzieren möchten, uns darüber klar sind, was wir gerade veröffentlichen und welche Wirkung das erzeugen kann. Ob das wirklich (m)ein Thema ist oder eventuell nur Statthalter / Projektionsfläche eines gänzlich anderen Vorgangs. Und, ob mich gegebenenfalls andere geschickt vor deren Karren spannen wollen. Das zu überdenken und zu entscheiden kann nur im Moment des Verfassens geschehen –also im ‚Hier und Jetzt’!

Ich bin mir sicher, dass eine kurze Reflexion vor dem Verfassen eines (Foren)Beitrags bei vielen dazu führt, Meinungen / Kritiken / Bewertungen sozial verträglicher und akzeptabler zu formulieren. So hat das Formulierte eher die Chance, die Sinne / Aufmerksamkeit des Betroffenen / der Zielperson zu erhalten. Dann kann meine / unsere Meinung zur Basis konfliktfreierer Kommunikation und etwaig folgender Veränderung werden. Der Weg der kurzen Reflexion im Moment des Schreibens wird auch keine spontane Wendung zum ‚Guten’ bewirken. Es ist eher ein langer Prozess zum akzeptableren Umgang miteinander. Das Ziel werden wir dann erreichen, wenn wir in jedem Moment des Verfassens einer Meinung o.ä. den Willen zu kurzzeitiger Reflexion haben, das auch umsetzen und mit uns und unserem Umsetzungsfortschritt Geduld haben werden. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen – Übung macht den Meister. Durch meinen / unseren aufgeklärten Umgang mit Macht!

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