12.09. – 15.09. Atins / Lençois Maranheses

Eigentlich hatte sich schon einwenig der europäische Stress verflogen und das brasilianische Lebensgefühl an dessen Stelle gesetzt. Eigentlich! Wir hatten für 8:45 Uhr die Busfahrt nach Barreirinhas geplant und entsprechend frühzeitig ein Taxi für den Transfer zur Rodoviario bestellt. Doch leider kam das Taxis mit brasilianischer Pünktlichkeit fast eine halbe Stunde zu spät, so dass das Erreichen des Busses deutlich Frage stand. Der Fahrer erwies sich eines Ayrton Senna würdig. 2 Minuten vor Abfahrtzeit erreichten wir den Busbahnhof- zu Pass kam uns, dass der Bus ebenfalls nicht super pünktlich abfuhr. In gepflegten 5 Stunden Fahrt, unterbrochen von einer kurzen Pause fürs Mittagessen (Almoço), erreichten wir Barreirinhas, wo wir ein Schnellboot, eine offene Lancha mit Sonnenverdeck, bestiegen. In gut eineinhalb Stunden erreichten wir Atins, wo wir mit einem alten Toyota Landcruiser abgeholt wurden. Die Fahrt auf dem Rio Prequiça war schon beeindruckend, impressionanter war dann das Bild von Atins, das sich uns bot. Es gibt keine festen Wege, nur Sand, durchfurcht von den Reifenspuren, die Landcruiser und Quads hinterlassen. Als Fußgänger versucht man sich Balance haltend und suchend in den Spuren fortzubewegen. In den folgenden Tagen machten wir einige Ausflüge, hier dokumentiert mit einigen Fotos. Die Großauswahl wird später in der einen oder anderen Form Verwendung finden.

Nach knapp drei Tagen mussten wir Atins wieder verlassen, leider. Belem und der Amazonas warten auf uns. Über Barreirinhas, wo wir eine kurze Pause für den Panoramaflug über den Nationalpark einlegten, gings wieder zurück nach São Luis. Dort verbrachten wir den Abend am bekannten Platz und am nächste Morgen ging es dann zum Flughafen. Gegen Mittag sollte der Flug gehen. Sollte! Wegen (angeblicher) Wartungsarbeiten verzögerte sich der Flug um 3 Stunden, so dass wir erst am späten Nachmittag das Hotel in Belem erreichten.

16.09. – 21.09. Belém – Macapá – Belém

Die „Princesa Louçã“ entpuppte sich als abgetakelte Hilton Schabracke. Nettes und hilfsbereites Personal, gutes Frühstücksbüffet und eine zentrale Lage in der historischen Altstadt machten das Alter mehr als wett. Gegenüber dem Hotel befindet sich das Theatro da Pace, das zum Ende des Kautschukboomes gebaut wurde. Dem Theater vorgelagert ist die Praça da Republica, einer mittleren Grünanlage, gruppiert um eine vierseitige Stehle, auf der die Helden der Werdung des brasilianischen Staatenbundes verewigt sind. Um eben jenem machten wir einen Erkundungspaziergang, der uns schließlich zu den alten Docks führte. Heute ist das ein ‚geschlossenes = bewachtes‘ Gebiet, auf dem Veranstaltungen stattfinden. Es besteht aus 3 großen Lagerhäusern, die zum Wasser hin verglast sind. Vorgelagert ist eine breite, teilweise überdachte Flaniermeile, auf der auch die Außenbestuhlung der Restaurants untergebracht ist. Hier treffen sich die belemer Bürger, die ihren Wohlstand präsentieren wollen, durch ausgiebigem Verzehr in der Gastronomie, und jene, die das beobachten wollen und verschämt/ bescheiden ein Wasser, Saft oder Eis konsumieren. Die Preise sind für brasilianische Verhältnisse gepfeffert. Abends habe ich meine Reisebegleitung ‚verführt‘, in einer Garküche das Abendessen einzunehmen. Es gab Tacacá, eine würzige Suppe aus Goma = Maniokschleim, Jambu, einem regionalen, spinatähnlichem Gemüse, Brühe und gesalzten Shrimps (Camarões salgados), serviert in einer Kalebasse und Vatapá, einem dicken Fischeintopf aus Bacalhau (getrockneter Klippfisch), frischen und getrockneten Camarões, Öl der Dendé-Palme (rötlich und leicht spicey), serviert mit Reis und Salat. Mir schmeckte es sehr. Arno zunächst auch. Zunächst ……… . Den Abend beschlossen wir in der Bar do Parque, einem In und Must-Place von Belem. Den folgenden Tag nutzten wir zu Einkäufen und dem Kauf der Passage nach Macapá. Am Abend fanden wir uns beim Italiener wieder, es gab Pizza meia-meia – mit 2 Belegen.

Gestärkt von der Pizza und dem guten Frühstücksbüffet begaben wir uns um 9:30 Uhr zum Anleger der Schiffe zum Amazonas. Doch zuvor kauften wir noch 2 Hängematten, da wir das Deck mit ‚Redes‘ gebucht hatten. Diese gab es zu einem relativ günstigen Preis von einer lebhaften Verkäuferin, die vor der Hidroviaria (= Gegenstück zur Rodioviaria für Schiffspassagen) ihren Verkaufsstand hatte. Das Schiff, die „Breno“, kann im Internet angeschaut werden, legte für brasilianische Verhältnisse pünktlich ab (nur 15 Minuten verspätet). Das war für die kommenden 24 Stunden unsere „Heimat“. Fast die Hälfte der Reisezeit benötigten wir um das Flußsystem des Rio Guamá, die Baia de Marajó, des Rio Tokantins und des Pará zu überqueren und hinauf zu fahren. Gegen 17:00 Uhr verlangsamte die Breno die Fahrt und es legten nacheinander back- und steuerbords 6 kleinere Flussschiffe an. Erst dachte ich, sie würden Ladung übernehmen. Doch weit gefehlt! Sie lieferte Ware, ganz spezielle, Açaí, das moderne Superfood, das auf den internationalen Märkten fast mit Gold aufgewogen wird. Es wurden hunderte von Körben geladen, jeder mit 4-5 Kilo Açaíbeeren gefüllt. Eigentlich sind es keine Beeren, sondern die Früchte der Açaípalme, ähnlich denen der Ölpalme, nur blau statt bräunlich. Den Ladevorgang und insbesondere die Menge der Körbe überwachte die Zahlmeisterin penibel – und zahlte den Bootsführern den üblichen Preis pro Korb, 7 Reais. Gemessen an den Verbraucherpreisen ein Almosen. Für die Sammler wohl ein ganz ordentlicher Preis, gemessen am brasilianischen Mindestlohns von 950 R$/Monat. Wenig später kamen von Hütten am Ufer des Pará kleine Holzboote angepaddelt, denen jeweils verknotete und aufgeblasene Plastiksäcke zu geworfen wurden – ins Wasser, gefüllt mit bestellten Gütern. Dann war es schlagartig dunkel, wie in den Tropen üblich. Nun könnten wir in Ruhe unser Abendessen (Jantar) einnehmen. Es gab ‚Beefe‘ oder ‚Frango‘, Rindfleisch oder Huhn, mit Reis, Spaghetti, Salat, weißen Bohnen und einem gesüßten Maracuja-/Tagerinensaft. Für Arno war es die erste richtige Gelegenheit Brasilianer und ihre Gepflogenheiten kennen zu lernen. Danach war es zu dunkel um Fotos von der Fahrt durch den „Furo da Tajapuru“, einem Verbindungsarm zwischen Rio Pará und dem Amazonas zu schießen. Teilweise war der Furo nicht breiter als 1,5 Neckarbreiten auf der Höhe Heidelberg. Die Fahrt auf dem Amazonas war schon beeindruckend. Die Breite und Mächtigkeit dieses Stroms. Kurz vor Macapá teilt sich der Fluß in den nördlichen und südlichen Amazonas. Beide für sich breiter als alle großen deutschen Flüsse an ihrer Mündung zusammen genommen. Das alles kann ein Foto nicht erzählen – es sieht lächerlich klein aus und die Dimension geht verloren. In Macapá haben wir uns nicht lange aufgehalten, außer dem Äquator, der durch die Stadt geht und unsichtbar ist, gibt es nichts Wesentliches zu sehen.

Zurück in Belém haben wir weitere 2 Tage pausiert, in denen wir etwas mehr das historische Zentrum begutachten könnten. Leider waren wir für den ‚Cirio‘, einer der weltweit größten Prozessionen – ca. 2,5 Millionen Menschen nehmen daran teil – etwas zu früh. Die Prozession führt von der Catedral da Sé am Rio Guamá über eine etwa 8 km lange Strecke durch das historische Zentrum zur Basilica Santuário de Nazaré. Der in einem verglasten Baldachin getragenen Madonna hängt ein ca. 400 m langes Seil an, das die an der Prozession Teilnehmenden versuchen in die Hand zu nehmen um dadurch für ihre Sünden Absolution zu erhalten. Anstatt besuchten wir u.a. den Fischereihafen und den ‚Ver-o-Peso‘, einem Markt mit allen erdenklichen Erzeugnissen der Region.

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