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30.09. – 05.10. Fortaleza – Icapui – Fortaleza

Nachdem wir am Samstagabend gegen 20:00 Uhr den Busbahnhof von Fortaleza erreichten, waren wir am frühen Sonntagmorgen schon wieder 5:45 Uhr dort, um die Fahrkarten nach Icapui zu kaufen. 6:30 Uhr ging es pünktlich los. Die Bequemlichkeit der Überlandbusse haben wir gegen den Standard regionaler Carrier getauscht – alt, schmuddelig, ungefedert und eng. Es sind aber nur viereinhalb Stunden, die wir aushalten mussten. Es ist eine typische Linie, die die Orte an den südlichen Stränden Cearàs mit Fortaleza verbindet. Teilweise ist es wohl die einzige Verbindung zwischen den einzelnen Orten. Auf Zuruf hält der „Mot“ (Fahrer) an und lässt Personen aus und zusteigen, begleitet von einem Kondukteur, der die Fahrscheine kontrolliert oder auch ausstellt. Jedenfalls erreichten wir Icapui Zentrum gegen Mittag. Vor Ort gibt es nur 1 wartendes Taxi, das uns zum Hotel bringen wird – nach kurzer, harter Verhandlung des Fahrpreises. Es ist halb eins nachmittags, als wir das Hotel „Casa do Mar“ erreichten.Es liegt direkt an den Dünen zum Strand „Tremembé e Manibu“, ca. 10 km südlich vom Hauptort. Früher war es wohl mal ein Luxusressort, das in die Jahre gekommen ist und heute übers Wochende der Mittelklasse von Fortaleza oder Natal (Hauptstadt von Rio Grande do Norte) mit ihren Familien ein willkommenes Ziel ist – jedenfalls ist es an den „fim de semana“ (Wochenende) immer ausgebucht.

Der Strand ist ideal für Familien mit kleinen Kindern und für Kitesurfer. Das Uferschild ist sehr flach und reicht weit in den Atlantik hinein. In etwa 300 m vom Ufer entfernt, geht mir das Wasser immer noch nur kurz übers Knie. Es gibt kaum Brandung oder höhere Wellen. Für die Kitesurfer bläst der Wind mit etwa 4 Beaufort stetig aus süd-östlichen Windrichtungen. Er, der Wind, kann es auch besser. Nachts frischt er auf 7-8 bf auf. Auf der Aussichtsveranda müssen dann die Stühle und die Sitzpolster gesichert werden. Zur Zeit ist am Strand sehr wenig los. Bis auf vereinzelte Kitesurfer gibt es kaum Besucher am Strand. Mit einer Gesamtlänge von mehr als 20 km liegt er vor einigen Ortsteilen von Icapui. Zu Zeiten der Ebbe dient er als Straßenersatz. Selbst der kommunale Busverkehr und die Schulbusse nutzen ihn als kurze und schlaglochlose Verbindungsstraße.Die beiden Bilder zeigen den Blick von der Düne vor dem Hotel 1 links und 2 rechts. Ich nutze den Strand morgens gegen 7:45 zu einem ausgiebigen Strandjogg, ca 1 Stunde. Der Hinweg geht gegen den Wind und zurück wird geschoben und es wird wärmer – bei ca. 27-29 Grad Celsius kein Wunder. Danach gehts zum Frühstücksbüffet ins Restaurantdas gegen die Strandseite, wegen des Windes und des Treibsandes, mit hohen Glasscheiben abgeschirmt ist. Hier nehmen wir auch unsere anderen Mahlzeiten ein – aus Bequemlichkeit und um uns von den doch sehr umfangreichen Reisezeiten zu entspannen. Nachmittags erkunde ich durch Strandspaziergänge das Umfeld und, soweit vorhanden, das Leben und Treiben am StrandIn etwa 2-3 km Entfernung befinden sich zu beiden Seiten Reden für die Fischer, die wegen der geringen Wassertiefe weiter im Meer liegen. Mit kleinen, eher Floßkörpern als Schiffsrümpfen, Booten werden die Fänge in Ufernähe gebracht, wo sie dann auf die Pferdekarren verladen werden. Diese bringen die Ladung zuHüten in Strandnähe, wo die Gefangenen Fische ausgenommen und verkauft werden.So, mehr passiert hier nicht und es gibt auch sonst nichts weiter Interessantes zu berichten. Nur Ruhe, Entspannung und Erholung. Chillen und abhängen pur!

Morgen, 04.10. geht es dann sehr früh (für uns) mit dem beschriebenen Bus zurück nach Fortaleza. Dort ist noch ein wenig Shopping geplant, so dass wir dann zufrieden und ausgestattet am Freitag den Heimflug antreten werden.

Daher verabschiede ich mich bereits jetzt mit einem letzten Fotoaufgenommen aus meiner Hängematte auf unserem Balkon, in der ich gerade diese Zeilen Schreibe.

Für die Aufmerksamkeit und das Lesen meiner Berichte bedanke ich mich bei allen Lesern und hoffe auf ein baldiges Wiedersehen unter erfreulichen Umständen. Ich freue mich darauf!!

21.09. – 29.09. Belém – Serra da Capivara – Fortaleza

Von Belém gings mit dem Nachtbus nach Teresina, der Hauptstadt des Bundesstaats Piaui. Dort übernahmen wir ein Mietauto, mit dem wir São Raimundo nonato ansteuerten, von wo wir die verschiedenen Exkursionen in die beiden Nationalparks „Serra da Capivara“ und „Serra das Confusões“ unternehmen wollen.von Teresina nach São Raimundo nonato sind es ca. 530 Kilometer, für die wir mit einer kleinen Pause fast 8 Stunden benötigten. Der Zustand der Straßen nötigte Arno doch einigen Respekt ab. Die Schlaglöcher (buracos) auf/in brasilianischen Straßen sind legendär, zumindest unter den Brasilienkennern, und haben teilweise gigantische Ausmaße. Die Ausblicke auf die Natur während der Fahrt bereitete uns auf das vor,was uns in den Nationalparks erwartete.Kurz außerhalb Teresinas beginnt die Landschaft und Vegetation der Caatinga, einer Dornenstrauchsavanne, die dem Nordosten Brasiliens den Namen gibt. Da es kaum Mutterböden gibt, wachsen die meisten Pflanzen direkt auf dem Fels oder im Geröll. Die Brasilianer sprechen von rupestrischer Vegetation, die von überwiegend Trockenheit geprägt ist. Grün findet sich nur an schattigen Plätzen oder an Flußläufen. Die Niederschlagsmenge/Jahr beträgt etwa 600 mm. „Regenzeit“ ist hauptsächlich Dezember und Januar, wobei die Auswirkungen bis in den April spürbar sind. Die Savanne wandelt sich in grüne und üppig blühende Natur, wovon wir natürlich im September nichts mitbekommen haben. Ganz im Gegenteil, es beginnt die heißeste Periode mit Temperaturen zwischen 40 u. 45 Grad Celsius – im Schatten, versteht sich! Unsere erlebten Spitzen lagen bei 40 Grad, was die Erwartungen überstieg. Entsprechend hoch war der Wasserbedarf und -verbrauch. Doch in die Serra da Capivara sind wir nicht wegen der hohen Temperaturen gefahren, sondern um die Ursprünge und Zeugnisse der menschlichen Zivilisation auf dem südamerikanischen Kontinent östlich der Anden in Augenschein zu nehmen.

Serra da Capivara

der Nationalpark ist nicht nur dieses, sondern auch Weltkulturerbe. Begründet wurde der Park durch die Arbeit und Ausdauer der franko-brasilianischen Archäologin Niède Guidon. Seit 1973 arbeitet und leitet sie die Grabungen und Katalogisierungen der archäologischen Fundstellen. An über 930 Stellen, die sich auf einer Fläche von etwas mehr als 900 km2 befinden (in etwa die Größe von Hamburg), wurden bisher prähistorische Felszeichnungen entdeckt, von denen etwa 700 fertig katalogisiert wurden. Ca. 200 Stellen sind für Besucher frei gegeben, die mit geprüften Führen, die Ausbildung dauert 10 Monate, erreicht werden können. Das Alter der Zeichnungen erreicht bis zu 17000 Jahre, wobei das Gros der Zeichnungen zwischen 12 und 6 tausend Jahre alt ist. Das Alter wurde mit dem Thermo-Luminizenz-Verfahren ermittelt, da mangels Kohlenstoff an den Malereien das C14-Verfahren nicht anwendbar ist. Bei dem angewendeten Luminizenzverfahren werden die Steine der Feuerstellen bei den Fundstätten auf die Energiespuren der letzten Erhitzungen hin untersucht. Liebe Leser, sie werden sicherlich feststellen, dass ich mich in die Gefahr begebe, mich in Technika zu verlieren, doch anders kann ich die Bedeutung dieses Weltkulturerbes nicht beschreiben. Nur die Felszeichnungen geben keine direkte Auskunft zu ihrer eigentlichen Bedeutung. Aufgrund der ungeheuren Anzahl an Zeichnungen – es sind über 30.000! – entstand bei mir ein Overkill visueller Eindrücke, mehr oder weniger monochrom rot durch die Verwendung von Eisenoxid zur Zeichnung gestaltet, auf Sedimentgesteinen. Einige werde ich dem geneigten Leser in Folge zeigen:natürlich haben wir nicht alle Zeichnungen gesehen, nur einige Hundert. Fotos habe ich dazu genügend, die der Zuordnung zu den besuchten Stellen und vielleicht auch zu einzelnen Themen der Darstellung warten. Bei Interesse zeige ich gerne mehr davon, bitte mich dazu ansprechen.

Mit ihrer wissenschaftlichen Arbeit hat Dr. Guidon die bisher geltende Besiedlungstheorie des amerikanischen Kontinents über die Behringstraße am Ende der letzten großen Eiszeit vor ca. 15.000 Jahren widerlegt. Innerhalb von knapp 3.000 Jahren wird sich der Mensch nicht soweit vom Norden des Kontinents in den mittleren Teil des Südkontinents vorgearbeitet haben können. Unter der Fundstelle der zuvor gezeigten Felszeichnungen wurde von den Archäologen weiter gegraben. Dort wurden Feuerstellen ausgegraben, deren älteste und am tiefsten im Erdreich vergrabene auf über 100.000 Jahre datiert wird Das sieht alles so profan aus, und ist es vielleicht auch. Nur durch die Widerlegung der bisherigen Besiedlungstheorie Amerikas, bekommt diese Stelle eine eher „andächtige“ Bedeutung. Zeigt sie doch, dass die Besiedlung des Kontinents sich ganz anders abgespielt haben muss. In anderen Zeitepochen und in ungeahnter Dramatik. Jedenfalls hat Dr. Guidon in versteinerten Kotresten von ehemaligen Bewohnern, ca. 8.000 Jahre alt, Larven von Krankheitserregern gefunden, die es ausschließlich nur in Teilen von Afrika gibt. Über versteinerte Speisereste, tierische Knochen, gefunden an den Siedlungsstellen, wurde mittels der C14 Radiokarbonmethode bis zu einem Alter von 40.000 Jahren zurückgeschlossen. Woher diese Menschen wirklich kamen ist unbewiesen und mystisch. Jedenfalls lebten hier Menschen zu bisher nicht vorstellbaren Zeiten. Das macht mich sprachlos, weil es so unvorstellbar ist. Nicht bezüglich dieser Orte, sondern generell, Menschheit bezogen. Wohlgemerkt, es handelt(e) sich um Spezies des Homo Sapiens, nicht des älteren Homo Neanderthalensis. Die ältesten gefunden Knochen des Homo Sapiens in Südamerika sind ca. 8.000 Jahre alt, nur.

Doch zurück zu den Felsmalereien. Es sind nicht die ältesten Zeichnungen, die gefunden wurden, wohl aber die mit der größten Aussage zum sozialen Leben der damaligen Bewohner der Serra da Capivara. Im Gegensatz zu den europäischen Funden sind die Darstellungen eher plakativ, weniger fein ausgemalt. Dafür sind sie lebhafter und differenzierter zu den Tätigkeiten und zur Lebensweise der Menschen. Sex, rituelle Handlungen, Streit und Zuneigung sind Themen, neben der Darstellung von jagbarem Wild der damaligen Fauna. Die Darstellungen der sexuellen Tätigkeiten beinhalten in jedem Fall einen Mann oder mehrere Männer mit erigiertem Phallus in mehr oder weniger eindeutigen Posen zu den BezugsobjektenGeburtRitus und TanzStreit und KampfZeichnungen zur Fauna

Im Gegensatz zur Vielfalt der damaligen Fauna, die alle Lebewesen der Tropen und Subtropen des amerikanischen Südkontinents aufzeigte, wahrscheinlich war auch die Flora ähnlich üppig, ist das Getier heute eher eingeschränkt. Über die Flora berichtete ich ja bereits, teilweise. Da bedarf es noch einwenig mehr an Erläuterungen. Doch kurz zurück zur heutigen Tierwelt. Im Nationalpark leben Jaguar, Puma, einige Affenarten, eher kleinere, bis auf den Macaco pregoder Holz als Werkzeug benutzt, Schlangen, grüne Kobra, Jararaca, kleines und großes Gürteltierin der Caatinga endemische Arten, wie der Mocóeinem zwischen Hasen und Meerschwein stehenden Säuger, der sich hauptsächlich von Blättern der grün führenden Bäume ernährt (der Kot und Urin gefährdet teilweise Felszeichnungen) und dem Lagarto-de-costas-vermelhaswobei der rote Rücken des Weibchens den Namen gibt. weiter gibt es eine große Anzahl an Vögeln bei denen der Königsgeier (Ururu Rei) und der grüngeflügelte rote Ara genannt sein wollen. Beide Arten sind bedroht und wir haben im Park auch keine gesichtet, dafür einige andere, einen Buntspecht (Pic-a-Pau)Sputenähnliche Schreitvögel und weitere mehr oder weniger bunte Genossen der fliegenden Zunftletztere kleben wie Fledermäuse am Fels in einer canyonartigen Schlucht.

Zur Vegetation ist zu bemerken, dass die Serra da Capivara zwischen den Flusssystemen des Rio São Franzisco im Süden und des Rio Piaui Nordwesten und Norden liegt. Diese Lage beeinflusst die Vegetation in den Schluchten und Canyons deutlich. Während im nördlichen Teil, im Umfeld des „Olho da Água“, der einzigen Quelle im gesamten Parkgebiet, amazonische Regenwaldvegetation (Floresta Amazônica) wächstwachsen in den Schluchtsystemen des südlichen Nationalparks Gewächse des atlantischen Regenwaldes (Mata Atlântica)die das Wasser aus dem Grundwasser beziehen, im Gegensatz zum Hochland im Norden, verfügt der Süden über solche Reservoirs, die durch den Niederschlag in der kurzen Regenzeit gespeist werden und die, durch die vor der direkten Sonneneinstrahlung geschützte Lage in den engen Schluchten, vor schneller Austrocknung verschont sind – auch der ständige Wind im Hochland kommt nicht in die Niederungen der Canyons. Am Ende eines langen Canyons lag noch ein nicht vollständig ausgetrocknet kleines Wasserloch, in dem es Fische gab – welche Verschwendung und Absurdität der Natur

Wie bereits zuvor geschrieben, besteht die Landschaft hauptsächlich aus Sedimentgesteinen aus verschiedenen erdzeitlichen Epochen. In Schichten übereinandergespresst, mal amorpher, mal kristalliner und gerölliger. Eigentlich ist die Serra da Capivara eine Hochebene (Chapada), in die sich die Flüsse hinein gefressen haben und so die Schluchten und etwas weiteren Täler gebildet haben. Zu Zeiten der Felszeichnungen war das Gebiet üppigst begrünt und sehr wasserreich. Heute als Trockensavanne erodiert das Gebirge durch die äolischen Kräfte. Es geht ständig ein mittelmäßiger Wind, der den Sand, entstanden durch Erosion, als Schleifmittel um die Gesteine bläst, so dass diese im wahrsten Sinne sandgestrahlt werden und weiter erodieren. Es bilden sich so skurile Gebilde und Formationen

Auf und an den kahl geblasenen Felsen, nahezu ohne Krume, krallen sich die verschiedenen genügsamen Pflanzen wie verschiedenste Bromelien und Kakteen, Sträucher und genügsame Bäume

Zum Abschluss unserer Nationalpark Exkursion in den Süden Piauis möchte ich noch ein paar Bilder unseres Ausflugs in die Serra das Confusões zeigen. Dort sind wir einen sehr schmalen und ziemlich tiefen Canyon hin und zurück durchwandert, ca. 3 km lang, oneway. Mit einem überraschenden und faszinierenden Ende. Der Einstieg war nicht ohne weiteres zu erkennen.über ein paar Leitern gelangten wir auf den Grund und folgten dem Trockenen Flusslauf. Anfangs noch etwa 50 m breit und leicht zu begehen. Schon bald kamen die ersten Engpässe, mit verlocktem Treibholz der vergangenen Regenzeiten. Schließlich war das Flussbett nicht breiter als max. 10 m. Über weite Strecken durchschritten wir Höhlen mit und ohne Öffnungen an der Decke, die Sonnenlicht durch ließenauf dem feuchten Sand fanden wir frische Spuren eines Jaguars und seiner Welpen, was natürlich unsere Anspannung und Neugier etwas anfachte. Leider, oder zum Glück?, hatten wir keine Begegnung mit den Tieren. Doch am Ende des Canyons bot sich uns eine ÜberraschungDer zuvor sehr schmale Lauf weitete sich nach der Umrundung eines großen Felsblocks zu einem wunderbaren tropischen Garten, lichtdurchflutet und erfüllt von einer unglaublichen Stille und Ruhe. Gerne hätte ich dort längere Zeit zugebracht ……..

Nach 7 ereignisreichen Tagen und knapp 2.000 km im Auto erreichten wir wieder Teresina, wo wir nach einer kurzen Nacht am nächsten Morgen den Bus nach Fortaleza bestiegen. Nach gut 11 stündiger Fahrt erreichten wir die Hauptstadt von Ceará, die wir gleich am nächsten Morgen wieder in Richtung Strand verließen. Davon wird der nächste Blogbeitrag berichten.

12.09. – 15.09. Atins / Lençois Maranheses

Eigentlich hatte sich schon einwenig der europäische Stress verflogen und das brasilianische Lebensgefühl an dessen Stelle gesetzt. Eigentlich! Wir hatten für 8:45 Uhr die Busfahrt nach Barreirinhas geplant und entsprechend frühzeitig ein Taxi für den Transfer zur Rodoviario bestellt. Doch leider kam das Taxis mit brasilianischer Pünktlichkeit fast eine halbe Stunde zu spät, so dass das Erreichen des Busses deutlich Frage stand. Der Fahrer erwies sich eines Ayrton Senna würdig. 2 Minuten vor Abfahrtzeit erreichten wir den Busbahnhof- zu Pass kam uns, dass der Bus ebenfalls nicht super pünktlich abfuhr. In gepflegten 5 Stunden Fahrt, unterbrochen von einer kurzen Pause fürs Mittagessen (Almoço), erreichten wir Barreirinhas, wo wir ein Schnellboot, eine offene Lancha mit Sonnenverdeck, bestiegen. In gut eineinhalb Stunden erreichten wir Atins, wo wir mit einem alten Toyota Landcruiser abgeholt wurden. Die Fahrt auf dem Rio Prequiça war schon beeindruckend, impressionanter war dann das Bild von Atins, das sich uns bot. Es gibt keine festen Wege, nur Sand, durchfurcht von den Reifenspuren, die Landcruiser und Quads hinterlassen. Als Fußgänger versucht man sich Balance haltend und suchend in den Spuren fortzubewegen. In den folgenden Tagen machten wir einige Ausflüge, hier dokumentiert mit einigen Fotos. Die Großauswahl wird später in der einen oder anderen Form Verwendung finden.

Nach knapp drei Tagen mussten wir Atins wieder verlassen, leider. Belem und der Amazonas warten auf uns. Über Barreirinhas, wo wir eine kurze Pause für den Panoramaflug über den Nationalpark einlegten, gings wieder zurück nach São Luis. Dort verbrachten wir den Abend am bekannten Platz und am nächste Morgen ging es dann zum Flughafen. Gegen Mittag sollte der Flug gehen. Sollte! Wegen (angeblicher) Wartungsarbeiten verzögerte sich der Flug um 3 Stunden, so dass wir erst am späten Nachmittag das Hotel in Belem erreichten.

16.09. – 21.09. Belém – Macapá – Belém

Die „Princesa Louçã“ entpuppte sich als abgetakelte Hilton Schabracke. Nettes und hilfsbereites Personal, gutes Frühstücksbüffet und eine zentrale Lage in der historischen Altstadt machten das Alter mehr als wett. Gegenüber dem Hotel befindet sich das Theatro da Pace, das zum Ende des Kautschukboomes gebaut wurde. Dem Theater vorgelagert ist die Praça da Republica, einer mittleren Grünanlage, gruppiert um eine vierseitige Stehle, auf der die Helden der Werdung des brasilianischen Staatenbundes verewigt sind. Um eben jenem machten wir einen Erkundungspaziergang, der uns schließlich zu den alten Docks führte. Heute ist das ein ‚geschlossenes = bewachtes‘ Gebiet, auf dem Veranstaltungen stattfinden. Es besteht aus 3 großen Lagerhäusern, die zum Wasser hin verglast sind. Vorgelagert ist eine breite, teilweise überdachte Flaniermeile, auf der auch die Außenbestuhlung der Restaurants untergebracht ist. Hier treffen sich die belemer Bürger, die ihren Wohlstand präsentieren wollen, durch ausgiebigem Verzehr in der Gastronomie, und jene, die das beobachten wollen und verschämt/ bescheiden ein Wasser, Saft oder Eis konsumieren. Die Preise sind für brasilianische Verhältnisse gepfeffert. Abends habe ich meine Reisebegleitung ‚verführt‘, in einer Garküche das Abendessen einzunehmen. Es gab Tacacá, eine würzige Suppe aus Goma = Maniokschleim, Jambu, einem regionalen, spinatähnlichem Gemüse, Brühe und gesalzten Shrimps (Camarões salgados), serviert in einer Kalebasse und Vatapá, einem dicken Fischeintopf aus Bacalhau (getrockneter Klippfisch), frischen und getrockneten Camarões, Öl der Dendé-Palme (rötlich und leicht spicey), serviert mit Reis und Salat. Mir schmeckte es sehr. Arno zunächst auch. Zunächst ……… . Den Abend beschlossen wir in der Bar do Parque, einem In und Must-Place von Belem. Den folgenden Tag nutzten wir zu Einkäufen und dem Kauf der Passage nach Macapá. Am Abend fanden wir uns beim Italiener wieder, es gab Pizza meia-meia – mit 2 Belegen.

Gestärkt von der Pizza und dem guten Frühstücksbüffet begaben wir uns um 9:30 Uhr zum Anleger der Schiffe zum Amazonas. Doch zuvor kauften wir noch 2 Hängematten, da wir das Deck mit ‚Redes‘ gebucht hatten. Diese gab es zu einem relativ günstigen Preis von einer lebhaften Verkäuferin, die vor der Hidroviaria (= Gegenstück zur Rodioviaria für Schiffspassagen) ihren Verkaufsstand hatte. Das Schiff, die „Breno“, kann im Internet angeschaut werden, legte für brasilianische Verhältnisse pünktlich ab (nur 15 Minuten verspätet). Das war für die kommenden 24 Stunden unsere „Heimat“. Fast die Hälfte der Reisezeit benötigten wir um das Flußsystem des Rio Guamá, die Baia de Marajó, des Rio Tokantins und des Pará zu überqueren und hinauf zu fahren. Gegen 17:00 Uhr verlangsamte die Breno die Fahrt und es legten nacheinander back- und steuerbords 6 kleinere Flussschiffe an. Erst dachte ich, sie würden Ladung übernehmen. Doch weit gefehlt! Sie lieferte Ware, ganz spezielle, Açaí, das moderne Superfood, das auf den internationalen Märkten fast mit Gold aufgewogen wird. Es wurden hunderte von Körben geladen, jeder mit 4-5 Kilo Açaíbeeren gefüllt. Eigentlich sind es keine Beeren, sondern die Früchte der Açaípalme, ähnlich denen der Ölpalme, nur blau statt bräunlich. Den Ladevorgang und insbesondere die Menge der Körbe überwachte die Zahlmeisterin penibel – und zahlte den Bootsführern den üblichen Preis pro Korb, 7 Reais. Gemessen an den Verbraucherpreisen ein Almosen. Für die Sammler wohl ein ganz ordentlicher Preis, gemessen am brasilianischen Mindestlohns von 950 R$/Monat. Wenig später kamen von Hütten am Ufer des Pará kleine Holzboote angepaddelt, denen jeweils verknotete und aufgeblasene Plastiksäcke zu geworfen wurden – ins Wasser, gefüllt mit bestellten Gütern. Dann war es schlagartig dunkel, wie in den Tropen üblich. Nun könnten wir in Ruhe unser Abendessen (Jantar) einnehmen. Es gab ‚Beefe‘ oder ‚Frango‘, Rindfleisch oder Huhn, mit Reis, Spaghetti, Salat, weißen Bohnen und einem gesüßten Maracuja-/Tagerinensaft. Für Arno war es die erste richtige Gelegenheit Brasilianer und ihre Gepflogenheiten kennen zu lernen. Danach war es zu dunkel um Fotos von der Fahrt durch den „Furo da Tajapuru“, einem Verbindungsarm zwischen Rio Pará und dem Amazonas zu schießen. Teilweise war der Furo nicht breiter als 1,5 Neckarbreiten auf der Höhe Heidelberg. Die Fahrt auf dem Amazonas war schon beeindruckend. Die Breite und Mächtigkeit dieses Stroms. Kurz vor Macapá teilt sich der Fluß in den nördlichen und südlichen Amazonas. Beide für sich breiter als alle großen deutschen Flüsse an ihrer Mündung zusammen genommen. Das alles kann ein Foto nicht erzählen – es sieht lächerlich klein aus und die Dimension geht verloren. In Macapá haben wir uns nicht lange aufgehalten, außer dem Äquator, der durch die Stadt geht und unsichtbar ist, gibt es nichts Wesentliches zu sehen.

Zurück in Belém haben wir weitere 2 Tage pausiert, in denen wir etwas mehr das historische Zentrum begutachten könnten. Leider waren wir für den ‚Cirio‘, einer der weltweit größten Prozessionen – ca. 2,5 Millionen Menschen nehmen daran teil – etwas zu früh. Die Prozession führt von der Catedral da Sé am Rio Guamá über eine etwa 8 km lange Strecke durch das historische Zentrum zur Basilica Santuário de Nazaré. Der in einem verglasten Baldachin getragenen Madonna hängt ein ca. 400 m langes Seil an, das die an der Prozession Teilnehmenden versuchen in die Hand zu nehmen um dadurch für ihre Sünden Absolution zu erhalten. Anstatt besuchten wir u.a. den Fischereihafen und den ‚Ver-o-Peso‘, einem Markt mit allen erdenklichen Erzeugnissen der Region.

09.09. Heidelberg – Fortaleza

Pünktlich, wie nicht anders zu erwarten, wurde ich von meinem Reisepartner Arno und seiner Frau Undine, die uns zum Flughafen Frankfurt bringt, 06:10 Uhr abgeholt. Ebenso pünktlich bestiegen wir den Flieger und machten uns in den Sitzen bequem – sind diese doch unsere Heimat für die kommenden 10 Stunden.

Fortaleza erreichten wir vorzeitig und leicht angenervt. In einem vorwiegend mit Touristen beladenen Flugzeug liegen auch mal Fehlbesetzungen im Bereich der Möglichkeiten – ein deutsch-brasilianisches Pärchen (der Altersunterschied war beträchtlich) fröhnte ausgiebig dem Bierkonsum und entwickelte dabei eine ebenso ausgiebige wie lautstark untermalte Sortierleidenschaft des mitgeführten Handgepäcks.

In Fortaleza brachte uns ein Taxi Flix ins gebuchte Hotel ‚Tres Caravelas‘ im Bairro Praia Iracema, das unweit des nördlichen Strandes liegt. Leider war der Blick aufs Meer durch Hochhäuser verbaut. Doch das wurde durch ausgesprochen höfliches und hilfsbereites Auftreten der Hotelmitarbeiter mehr als ausgeglichen.

Nach einem ausgiebigen Rodizio (Kenner wissen, was sich dahinter versteckt…..) und einem Verdauungsspaziergang zum Atlantik und zurück – die Uferpromenade war noch sehr belebt – verließen wir Fortaleza am nächsten Mittag mit dem Bus nach São Luis, der Hauptstadt vom Bundesstaat Maranhão, die wir nach 20 stündiger  Fahrt erreichten.

In São Luis machten wir für einen halben Tag und eine Nacht das Centro historico ‚unsicher‘. Untergebracht waren wir in der Pousada ,Portas da Amazonia‘, in einem Haus aus der Kolonialzeit

Der Zustand der Altstadt ist in einem leicht verwahrlostem Zustand, den ich dem super geleckten Auftritt von Touri-Hochburgen vorziehe. Das ist aus meiner Sicht authentischer und charmanter. Das historische Zentrum liegt auf einer erhabenen Halbinsel an der Mündung des Rio Pindarê in die Baia de São Marcos (Tiedehub von ca. 7,5 m), und bietet manchmal nette Blicke auf die anderen Stadtteile.

Abend sind wir dann unweit der Pousada an einem Platz gelandet, der lautstark dem Reggae brasilianischer Machart frönte. Von der Straßenbestuhlung des Restaurants „Tia Dica“ aus könnten wir das Treiben gut beobachten. Es war die Flaniermeile des Viertels mit allen erdenklichen Typen – großartig bunt!

 

 

 

 

Gegen gegen später wechselte die Konservenmusik einem Live-Beitrag eines singenden Gitarristen, sehr gut anzuhören. So kamen wir noch zu einem ‚kostenlosen‘ Freiluftkonzert. Sehr kurzweilig.

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